Der Todestag des deutschen Schriftstellers Johann Gottfried Seume jährte sich am 13. Juni 2010 zum 200. Mal. Eigenwillig, freiheitlich gesinnt, durch Europa wandernd, keiner Strömung seiner Zeit zuzuordnen - Seume ist eine ganz eigene Figur der deutschen Literatur. Anlässlich des Jubiläumsjahres veröffentlichen wir ein Buch über eine ganz besondere Freundschaft dieses Dichters: jene zu dem unbekannteren dichtenden Offizier Karl Freiherr von Münchhausen, eine außergewöhnliche, bisher wenig beachtete und spannende Freundschaft. Mit mehreren Lesungen werden wird das Buch 2010 und 2011 an verschiedenen Orten präsentiert werden. Ein für alle verständliches Buch über Seume, seine Zeit, Karl von Münchhausen und Freundschaft allgemein.

NEUPUBLIKATION

Robert Eberhardt 
Seume und Münchhausen 
Mit dem kommentierten Neudruck der "Rückerinnerungen" von 1797 
200 Seiten, 19 Abbildungen 
Hardcover 
ISBN: 978-3-941461-03-1 
19,90 Euro 

Seume und Münchhausen anlässlich des "Seume-Jahres 2010" erschienen.

Während Goethe und Schiller im Balladenjahr 1797 auf dem Höhepunkt ihrer literarischen Freundschaft Werke wie "Der Taucher", "Der Handschuh" oder "Der Erlkönig" schufen, veröffentlichte Karl von Münchhausen mit seinem Jugendfreund Seume einen gemeinsamen Lyrikband: "Rückerinnerungen". In sechs Gedichten reflektieren beide ihre ungewöhnliche Freundschaft.

1782 lernten sich Seume und Münchhausen in einem Feldlager an der Küste Neuschottlands kennen, wo beide als Angehörige der an England vermieteten hessischen Subsidientruppen stationiert waren. Keine deutsche Dichterfreundschaft zuvor wurde so fern des eigenen Sprachraums geschlossen.

In Europa sahen sich Seume und Münchhausen später nur ein einziges Mal wieder persönlich, 1802 in Schmalkalden. Doch mit Briefen hielten sie Verbindung, schrieben von ihren turbulenten Lebenswegen, bezogen Stellung zu Literatur und Politik. Jahre vor Seumes Tod sollte sich ihre Freundschaft dennoch trüben, Abstand und Enttäuschung traten zwischen sie.

Dieses Buch zeichnet die unbeachtete Dichterfreundschaft der deutschen Literaturgeschichte in ihren zeitlichen, emotionalen und literarischen Dimensionen anschaulich nach und ist damit auch ein Werk über Freundschaft an sich. Erstmals seit vielen Jahrzehnten wird Münchhausens Biographie ausführlich behandelt. Der Bildteil enthällt bisher unbekannte und unveröffentlichte Abbildungen.


Zum Autor


Robert Eberhardt, geboren 1987, ist Autor, Verleger des Wolff Verlags R. Eberhardt und studiert Kunstgeschichte und Geschichte in Heidelberg und Paris. Zuletzt erschien von ihm "Andreas Wiß: Gedichte".


Inhalt


Vorwort
Eine Dichterfreundschaft
- Freundesfunkenschlag an Neuschottlands Küste
- Rückkehr nach Europa und der ungewiss Verschwundene
- Das auffällige Versäumnis und der wiedergefundene Freund
- Gemeinsame literarische Produktion und die Rückerinnerungen
- Fern über Sizilien zum nahen Freund
- Risse und Bruchkanten einer Freundschaft
- 26 Jahre ohne Seume und das letzte Wort
Neudruck Rückerinnerungen
- An Johann Gottfried Seume (Münchhausen)
- Meinem Münchhausen zum Denkmal (Seume)
- Abschieds-Schreiben (Seume)
- Nachruf, an Seume (Münchhausen)
- Rückerinnerung (Seume)
- Ländliche Einsamkeit (Münchhausen)
Kommentar
- Editionsnotiz
- Stellenkommentar
Anhang
- Anmerkungen
- Nachwort
- Dank
- Literaturverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
Zeittafel


Termine von Lesungen aus "Seume und Münchhausen" 
23. April 2010 | 19 Uhr | Schmalkalden, Kunsthaus am Markt  
13. August 2010 | 19 Uhr | Vacha, Burg Wendelstein  
23. August 2010 | 12 Uhr | Vacha, Johann-Gottfried-Seume-Gymnasium  
26. August 2010 | 18 Uhr | Lützen, Museum (Schloss)  
27. August 2010 | 19 Uhr | Grimma, Seume-Haus am Markt  
4. Oktober 2010 | 20 Uhr | Heidelberg, Buchhandlung Himmelheber (Theaterstraße)  
10. Oktober 2010 | 16 Uhr | Frankfurter Buchmesse, Leseinsel der unabhängigen Verlage 
6. März 2011 | 18 Uhr | Stadthagen, Schloss, Kaminzimmer  
22. Juni 2011 | Leipzig, Bibliotheca Albertina (Universitätsbibliothek)  
Weitere Lesungen 2011. 



Lesermeinungen zum Buch


Meiner Ansicht nach haben Sie vier wichtige Kriterien erfüllt: Sie haben dedektivisch nach Quellen gesucht, Sie haben diese Quellen klug ausgewertet, Sie haben den aktuellen Stand der Seume-Forschung berücksichtigt und Sie haben selbst für Laien verständlich geschrieben.

Karl-Wolfgang Biehusen, Betreiber von
www.seume.de


Zunächst einmal bin ich darüber erstaunt, dass sich ein 22-Jähriger daran macht, ein Buch über zwei Männer zu schreiben, deren Freundschaftsbeziehung vor genau 200 Jahren durch den Tod des einen zu Ende ging. Es gehört eine Portion Kühnheit dazu, sich in diesem Alter auf das Thema „Männerfreundschaft“ einzulassen. Zum einen wissen die wenigsten jungen Menschen heute mit dem Begriff noch etwas anzufangen, zum anderen wird er vor dem Hintergrund der Gender-Ideologie mitunter eine völlig andere Bewertung erfahren.
Aber vielleicht hat die Beziehung dieser beiden historischen Gestalten Sie ja gerade deshalb gereizt, weil beide ja etwa in Ihrem Alter waren, als sie sich erstmals begegneten. Auf jeden Fall ist es die völlig unterschiedliche Sozialisation der beiden - der eine Adeliger und Offizier, der andere aus einfachen Verhältnissen, der zum Waffendienst in Übersee angeworben wird -, und der Umstand, dass sie in dem nordamerikanischen Feldlager zufällig aufeinander treffen, dass beim Leser eine zunehmende Neugier darüber geweckt wird, wie es mit den beiden denn ausgeht.
Faszinierend für den heutigen Leser ist, wie nach räumlicher Trennung beide in Verbindung bleiben, indem sie sich Briefe in Gedichtform schreiben. Gut, Seume hatte sich als Dichter schon einen Namen gemacht. Aber dass auch der Militär (Oberstleutnant) Münchhausen dieses Mitteilungsgenre wählt, und dabei in vollendetem klassischem Rhythmus schreibt, wobei beide, vornehmlich mit unterschiedlichen Formen des Endreims, dem Harmoniebedürfnis der aufkeimenden Romantik schmeicheln, das entlockt nicht nur behagliches, erbauliches Schmunzeln, sondern auch Anerkennung.
Diese sprachlich so edle und niveauvolle Konversation kann man durchaus als Kontrapunkt sehen zu der heutigen zunehmenden sprachlichen Verwilderung in allen Lebensbereichen, die Schule eingeschlossen. Vielleicht kann eine solche Lektüre dazu anregen, wieder Briefe zu schreiben, auch ohne Versmaß und Reim, statt sich den neuen Medien in all ihrer Unzulänglichkeit und „Unmenschlichkeit“ hinzugeben.
Sehr erhellend bzw. wissenswert sind die vielfältigen erklärenden Anmerkungen, wobei insbesondere die „Stellenkommentare“ dem Leser viel an interessantem Hintergrund liefern.
Insgesamt ein Schatzkästchen für denjenigen, der sich für die hessisch-thüringische Geschichte interessiert, für ihre Grenzgänger und - natürlich - eine Ahnung davon bekommen möchte, was es denn mit einer klassischen Männerfreundschaft auf sich hat.

Roland Siebert, Neuental, Juni 2010

Rezensionen und andere Presseberichte

Mitteilungen des Hessischen Geschichtsvereins 2010

Südthüringer Zeitung / Freies Wort (Zum Vergrößern darauf klicken)

Mitteldeutsche Zeitung, 2.9.2010.