# 6 59 vor 12: Der Fernseh-Bericht vom Leipziger Büchermessen

„Die Buchmesse, die gerade noch so vielversprechend schien,/
nimmt kein Ende. Sie geht einfach weiter.“

– Lars Gustafsson

Leipzig. Mit ausgelassener Fröhlichkeit nahmen am Wochenende wieder zahlreiche Vertreter des deutschen Buchhandels ihre Meterstäbe zur Hand und begaben sich damit auf die Leipziger Ausstellung. Größer, besser, weiter sollte das beliebte Familien-Event in diesem Jahr werden. Cosplayer in Vampirkostümen standen schon seit Monaten um Karten an. Zu Blasmusik und der obligatorischen Daniel-Kehlmann-Lesung als Hintergrundbeschallung wurden Sekt und Bratwürste gereicht. Die Harry-Potter-Hüpfburg für die Kleinen durfte ebenso wenig fehlen wie der 50-Shades-of-XXX-Erotikshop für die gelangweilte Hausfrau oder der Schwedenkrimi-Bereich für die Herren, wo es schon vorab die Buchadaptionen der kommenden ZDF-Sonntagkrimis zu erwerben gab.

Besonders regen Zulaufs konnte sich in diesem Jahr der Generation-Y-Self-Publishing-Stand erfreuen, wo die extra für die Veranstaltung angeheuerten Mitarbeiter gegen Aufpreis die Verbindung zu einem großen Verlag für junge Autoren ausgaben. Ein derart exklusives Verlagshaus, das seine Adresse im Internet gar nicht aufzufinden ist. Links im Bild sehen wir in dieser Messe-Halle die neueste Einrichtung in Leipzig: Nach dem Vorbild des Santa Claus in amerikanischen Kaufhäusern zur Weihnachtszeit leistet man sich seinen „Original Goethe“ – ein Schauspieler im Dichterfürstenkostüm, auf dessen Knie die lesebegeisterten Kleinen Platz nehmen dürfen, gerne mit einem Buch in der Hand. Fotos 5 Euro. Für die moderneren Lesefreunde gab es vergleichbare Angebote mit Heinrich Böll, Paul Auster oder Barbara Schöneberger, letztere höchstpersönlich posierend. Beim Schweifen des Kameraauges über das Gelände stoßen wir immer wieder auf junge, hochgestylte Menschen, wie Lars Gustafsson sie in seinem letztjährigen Buchmessen-Gedicht so treffend portraitiert hat. Junge, unbekannte Schreibende. Mit ihren hauseigenen Manuskripten in Händen versuchen sie die Lesebühnen gleichaltriger AutorInnen zu stürmen – meine Güte! Da zerren einige junge Männer und Fräuleinwunder sogar an den gesicherten Podien von Stefanie Sorgnörgel und Ronja von Wie-hieß-nochmal-der-Arzt-aus-Gottfried-Benns-frühen-Novellen-ich-weiß-nur-dass-sie-denselben-Nachnamen-hat! Aber eine schallende Ohrfeige von den aufstrebenden Jungautorinnen und ihre Lesungen können – zumindest in diesem Jahr – unbeschadet weitergehen.

Dieser junge Herr im Bild hat scheinbar richtig zugeschlagen! In seinen fünf Taschen trägt er 40 Neuerscheinungen der quietschfidelen Anbieter zu sich nach Hause. In seiner Prenzlauer-Berg-Wohnung dürfen wir ihm dabei zusehen, wie er die ergatterten Neuerscheinungen in sein Regal stellt. Stolz zieht er seinen Meterstab heraus, klappt dessen Teile aus, nimmt Maß. „Endlich! 24 Regalmeter Buch! Die nächste Party findet bei mir statt. Und jetzt soll mir noch einmal einer sagen, dass ich nicht belesen genug bin!“ Ja, das Buchmessen war auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg!