Junger Salon

In der Nachfolge des Jungen Salons hat sich 2017 die Gruppe „Arbeit an Europa“ konstituiert: –> Blog der Gruppe „Arbeit an Europa“

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Ein weißer Herren-Handschuh auf der Stuhllehne, die Uhrzeiger stehen auf halb vier morgens – Rauch im Atem, Rotwein in der Kehle, Revolutionen im Kopf. Berlin der 20er Jahre. Ein literarisch-politischer Salon, vielleicht im „Romanischen Café“, vielleicht bei Gottfried Benn im Bayrischen Viertel. In jedem Fall: Berlin! Unstillbarer Hunger nach Kunst, Ideal und Traumspiel. Und heute? Was ist geblieben nachdem Kunst Markt, Ideale real und Träume Psychosen geworden sind? Nur das Wundern, die Sehnsucht, das Verlangen nach Sinn und Verbrüderung. „Der moderne Mensch bleibt der ewig Hungernde“ (Nietzsche), ihm muss man Raum und Nahrung bieten.

Der Junge Salon traf sich 2013 bis 2016 monatlich, um sich zu wundern und zu fragen. Ein geladener Gast pro Sitzung. Gespräche über Literatur, Geistesgeschichte, Politik und bildende Kunst. Teilnehmer waren junge Menschen: angehende Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Schriftsteller, Idealisten und Intellektuelle, Amateure und Profis. Es war ein „Kreis ohne Meister“, geschlossen, exklusiv, aber ohne Dünkel.

Der Junge Salon wollte mehr sein als noch eine durchgewunkene Podiumsveranstaltung und weniger als noch ein diskursgesättigtes wissenschaftliches Seminar. Er wollte einen Kontrapunkt setzen zu Formlosigkeit und Event-Kultur, ohne sich dabei pseudoreaktionär aufzublasen oder öffentlich anzubieten. Jugend und Neugier war ihm leidenschaftlicher Ausgangspunkt, kein saturierter, selbstverliebter Wert an sich. Ein literarisch-politischer Salon im Berlin der 2010er Jahre. Ein Sehnen nach Austausch und Gemeinsamkeit in Zeiten der gläsernen Vernetzung und Vereinzelung. Nicht Revolutionen und Handschuhe tragen wir mehr in und an uns, aber die Sehnsucht, die ist doch geblieben …

Die Gastgeber: Simon Strauß und Robert Eberhardt.

2016

– Prof. Dr. Jörg Baberowski: Gewalt
– Nora Bossong: Schreiben und Leben
– Ivo Wessel: Ästhetisches Leben
20 Fragen an Europa – interne Grundsatzdiskussion
– Dr. Niklas Maak: Mobiles und Immobiles
– Auslands-Salon in London: Die Zukunft Europas
– Susan Neiman: Warum erwachsen werden?
– Lorenz Jäger: Signaturen des Schicksals
– Marcel Fratzscher: Verteilungskampf. Warum Deutschland immer ungleicher wird

2015

– Dr. Alexander Pschera: Vom Schweben. Romantik im Digitalen
– Götz Kubitschek: Warum rechts sein?
– Michael Krüger:Wie würden Sie’s heute machen, Herr Krüger?
– Prof. Dr. Christoph Möllers: Zumutungen und Versprechen
– Hanns Zischler: Hölderlin „Brot und Wein“
– Lanna Idriss: Flucht und Migration
– Stefan Greiner: Cyborgs – Maschinenmenschen im Posthumanismus
– Dr. Erwin Seitz: Kulturgeschichte der Gastlichkeit

2014

– Tobias Rüther: Männerfreundschaft – Ein Abenteuer
– Prof. Dr. Jörg Trempler: Katastrophenbilder
– Dr. Ilja Karenovics: Nietzsche als Dostojewski-Leser. Zur Wahlverwandtschaft von Literatur und Philosophie
– Dr. Matthias Weichelt: Sinn und Form
– Propst Dr. Gerald Goesche: Die katholische Moderne
– Hanns Zischler: Berlin ist zu groß für Berlin
– Jan Wagner: Ins Unbekannte. Über Lyrik in der Gegenwart
– Dr. Friederike Schmitz: Dürfen wir Tiere töten? Tierethik und Massentierhaltung
– Prof. Dr. Karl Schlögel: Der Ukraine-Konflikt
– Rolf Hochhuth: Ernst Jünger – abenteuerliches Herz und subtile Jagden

2013

– Roger Vontobel, Regisseur: Der Text und das Theater: zwischen semantischem Aktualisierungswahn und knöchriger Wortwörtlichkeit. Möglichkeiten und Grenzen moderner Theaterdramaturgie
– Prof. Dr. Egon Flaig, Althistoriker: Die Antike in der Postmoderne
– Dr. Thomas Sparr, Geschäftsführer Suhrkamp Verlag: Distribution des Gedachten. Über die Notwendigkeit von Verlagen und Büchern im digitalen Zeitalter
– Hellmut Seemann, Präsident Klassik Stiftung Weimar: Lebensentwurf Weimar. Bewahrung und Aneignung des Klassischen
– Josef Janning, Politikberater: Vision für Europa: Was trägt das europäische Projekt jenseits von Euro und aktuellen Krisen?
– Dr. Boris Roman Gibhardt, Literaturwissenschaftler: Elegantes Leben und verlorene Illusionen: Großstadtästhetik bei Marcel Proust
– Dr. Alexis Schwarzenbach: Königliche Träume. Eine Kulturgeschichte der Monarchie von 1789 bis 1997